Rede von Heidi Müller, Jugendpsychotherapeutin, am 12.03.2022 im Berliner Mauerpark

Ich bin seit 1989 in verschiedenen Berliner Kinderkliniken beschäftigt. Meine Kollegen sind Kinderärzt*innen.

Ich verstehe mich als Anwältin der Kinder: Dies kann bedeuten, die Interessen des Kindes /des Jugendlichen gegen zwanghafte, leistungsabfordernde Eltern zu vertreten oder Kinder vor Gewalt, Vernachlässigung und Missbrauch zu schützen. In dieser ganzen Bandbreite liegt meine Arbeit! Ich habe immer an die Sinnhaftigkeit meiner Arbeit geglaubt. Aber das, was ich hier seit 2 Jahren bei den Kindern und den Jugendlichen beobachte, widerspricht meinem beruflichen und persönlichen Ethos und meinem Menschenbild.

Ich halte hier heute meine Rede für euch, weil ich weiß, wie es den Kindern und Jugendlichen in der Pandemie geht. Und ich nehme es schon vorweg: Es geht vielen nicht gut! Das fängt mit dem leidigen Thema „Maske tragen in der Schule“ an.
Einen Satz höre und hörte ich sehr häufig: “Kinder gewöhnen sich doch an das Maske-tragen.“ Dazu kann ich nur sagen: Ja, das stimmt! Kinder gewöhnen sich an alles. Weil es ihre Überlebensstrategie ist, ein lebensnotwendiger Anpassungsprozess!

Kinder gewöhnen sich an Gleichgültigkeit.
Kinder gewöhnen sich an einen lieblosen Umgang.
Kinder gewöhnen sich an Ungerechtigkeiten.
Kinder gewöhnen sich an verbale Abwertungen.
Kinder gewöhnen sich an seelische Gewalt.
Kinder gewöhnen sich an körperliche Gewalt.
Kinder gewöhnen sich an sexuelle Gewalt.

Weil sie keine andere Wahl haben! Für mich ist das stundenlange Maske-tragen eine Misshandlung von Schutzbefohlenen. Eins ist sicher: Die Masken schaden den Kindern. Physiologisch, emotional, entwicklungspsychologisch und sozial. Ich möchte heute von meinen Erfahrungen aus der Kinderklinik berichten:

Auch in den Kliniken gibt es unterschiedliche Meinungen über das Infektionsgeschehen von Covid 19 bei Kindern und Jugendlichen! Die Meldungen aus den Medien sind oft widersprüchlich und verwirrend. Kinderärzte sind auch nur Menschen und informieren sich nicht ausschließlich aus den Fachpublikationen, sondern holen sich den schnellen Informationskick aus den Alltagsmedien. Ärzte googlen Symptome, Krankheiten, Behandlungsmöglichkeiten. Klinikärzte hörten den „Drosten-Podcast“ und diskutierten diesen bei der gemeinsamen Pause mit den Kollegen.
Das nur anekdotisch und am Rande.

Nun zu den Covid 19-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Ich habe mich auf den Seiten des RKI, der STIKO, der DIVI umgeschaut und festgestellt, dass es wenig zielführende Informationen dazu gibt. Außer, dass der überwiegende Teil der Kinder asymptomatische oder milde, moderate Infektionsverläufe von ein- bis dreiwöchiger Dauer zeigt.

Wie war es bei uns im Kinderkrankenhaus? Wir haben keine mit Covid 19 erkrankten Kinder in den letzten 2 Jahren im Krankenhaus behandelt. Wir haben zahlreiche Kinder mit positiven Tests mit anderen Erkrankungen oder Problemen behandelt.

In diesem Winter wurden deutlich mehr Kinder, mit zum Teil schweren RSV-Infektionen im Krankenhaus behandelt. Die Kinderärzte sind sich einig, dass dies durch die Isolation in den Lockdowns zu erklären ist.

2020 das erste Pandemiejahr.
In anfänglicher Panik wurde versucht, beinahe jedes Kind mit Sepsis oder bakterieller Lungenentzündung, auch ohne einen positiven Test, als typische Covid-Infektion zu deklarieren. Da hörte man Sätze von Chefärzten, Oberärzten, Klinikdirektoren, bei Sicht des Röntgenbildes: „Wir kennen solche Lungen. Das sind die typischen Covid-Milchglastrübungen der Lunge.“ Es folgte eine Meldung an das Gesundheitsamt.
Auch wurden Neugeborene von ihren Müttern getrennt, wenn die Mutter oder das Kind ein positives Testergebnis hatten. Was mich erstaunte, war, dass die Mütter dies so hinnahmen.

Ein Fall macht mich bis heute traurig. Kind (Schulkindalter) mit Leukämie, mitten in der Chemotherapie, kam ins Krankenhaus mit leichtem Fieber, Husten, Schnupfen, Schlappheit. Es wurde ein Covid-PCR und Mulitiplex-PCR gemacht. Das Ergebnis zeigte: Einen hoch positiven Influenza-Test und einen schwach positiven Covid-Test mit einem Ct-Wert nahe 40. Das bis dato tapfere Kind wurde isoliert, das Gesundheitsamt wurde informiert, es durfte keinen Besuch empfangen. Das Personal musste sich die komplette Schutzausrüstung anziehen. Die Diagnose „Covid 19“ löste bei diesem Kind enorme Angstzustände aus, die letztendlich mit Tavor (Benzos – starkes Beruhigungsmittel) behandelt wurden.

Copyright @Jana Legler

Nun komm ich in das Jahr 2021: Die Kinderimpfungen beginnen.

Brauchen Kinder eine Impfung?
Kinder mit einem normal funktionierenden Immunsystem sind durch Corona praktisch nicht gefährdet. Die Impfung soll vor schweren Verläufen schützen. Es ist mittlerweile jedem bekannt, dass sie weder verlässlich vor einer Ansteckung schützt, noch Übertragungen verhindert. Geimpfte und Ungeimpfte können gleichermaßen ansteckend sein.

Am 16. August 2021 wurde die Impfempfehlung von der STIKO für alle 12- bis 17- Jährigen herausgegeben. Als einzige Begründung für die Impfung gibt die STIKO an: Abwehr von psychosozialen Folgeerscheinungen und dies nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko. Hab ich das richtig verstanden: Die Impfung soll die Jugendlichen nicht vor dem Virus schützen, sondern vor Mobbing und sozialer Ausgrenzung?

Die Impfempfehlung der STIKO für die 5- bis 11-jährigen Kinder vom 9. Dezember 2021: Für Kinder ohne Vorerkrankung gibt es KEINE generelle Impfempfehlung. Die 5- bis 11-Jährigen können bei individuellem Elternwunsch nach ärztlicher Aufklärung geimpft werden. Die STIKO schreibt: Das Risiko seltener Nebenwirkungen kann aufgrund der eingeschränkten Datenlage derzeit nicht eingeschätzt werden!

Wie ist diese Empfehlung mit Massenimpfungen vor Schulen vereinbar?

Zu den Impfnebenwirkungen:
Die verfügbaren Informationen über Nebenwirkungen und Todesfälle im Zusammenhang mit der Impfung von Minderjährigen findet man beim Paul-Ehrlich-Institut im Sicherheitsbericht vom 7. Februar 2022: Bei den Jugendlichen liegen 3120 Verdachtsmeldungen vor. Bei den 5- bis 11-jährigen Kinder liegen 398 Verdachtsmeldungen mit 5 schwerwiegenden Fällen vor.

Meine Frage ist, wie realistisch sind diese Angaben des PEI?

Zurück in die Kinderklinik
Ich fragte seit dem Frühjahr 2021 viele verschiedene Kinderärzte, wie ihre Sicht auf die Covid-Impfung für die Kinder sei. Alle hielten sich bedeckt, sagten auch, dass dies nicht nötig sei, warteten auf die STIKO-Empfehlung und versprachen, dass es immer eine ausführliche Risiko-Nutzen-Analyse gemeinsam mit den Eltern geben werde. Im Sommer 2021 folgten die Kinderärzte den STIKO-Empfehlungen, vergaßen offensichtlich das Versprechen, und empfahlen den Eltern sogar das Impfen ihrer Kinder. Im Dezember fand in der Klinik eine große Impfaktion der kleinen Kinder statt. Die Kinderärzte zeigten sich „altruistisch“, mit Ehrgeiz und Enthusiasmus impften sie nun die 5- bis 11-jährigen Kinder.

Nun zu den vermutlichen NEBENWIRKUNGEN, die in der Kinderklinik „landen“.
Täglich kommen Kinder und Jugendliche mit unspezifischen neurologischen, kardialen und sonstigen Problemen, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen. Das Problem ist, dass die Dokumentation des genauen Impfstatus, von dem jeweiligen diensthabenden Arzt abhängt. Einige Ärzte dokumentieren sehr genau die Daten der Impfung, andere dokumentieren nur „geimpft gemäß STIKO-Empfehlung“. Selbst, wenn die Eltern oder Kinder/Jugendliche deutlich den zeitlichen Zusammenhang zu der Impfung angeben, ist dies von dem jeweiligen Arzt abhängig!
Von einigen Bespielen möchte ich hier berichten: 7-jähriges Kind, 14 Tage nach BionTech-Impfung Kopfschmerzen, Erbrechen, schlechter Allgemeinzustand, will nur liegen. Diagnose: Encephalitis, das ist eine Gehirnentzündung, wird mit Kortison erfolgreich behandelt. Kind hatte im Dezember, vor der Impfung einen pos. Schnelltest, deshalb Diagnose: Long Covid!

15-jähriges Kind, direkt nach erster Impfung: Müdigkeit, Schwäche, Erschöpfung,
hält über Wochen an, kann nicht zur Schule, keine Freizeitaktivität, nur liegen.
Eltern und Kind geben immer wieder Zusammenhang an. Ärzte wehren vehement ab!
Kollegin von mir spricht mit dem Kind und findet heraus, dass der Familien-Hund im Sommer gestorben war, aufgrund einer unterstellten verlängerten Trauerreaktion wird eine Depression diagnostiziert, die die genannten Symptome ausgelöst habe. Empfehlung für das Kind: kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung

Ein Jugendlicher mit einer chronischen Darmerkrankung, etlichen missglückten OPs und einer offenen Bauchwunde, wurde kurz vor bevorstehender Entlassung geimpft. Entzündungswerte stiegen in die Höhe, die Wunde blutete, das Kind schrie vor Schmerzen und bettelte um Schmerzmittel. Ich fragte eine Fachärztin nach der Möglichkeit, ob die Impfung bei einem mehrfach operierten Kind diese Entzündung im Körper verursacht haben könnte? Die Antwort lautete: „Die Impfung geht in den Oberarm und dort bleibt sie auch.“

Ich vermute, dass die Nebenwirkungsrate deutlich höher liegt, als die publizierten Daten des Sicherheitsberichts.

Meine Frage lautet nun: WAS ist mit den Kinderärzten los? Wie kann das erklärt werden? Ihr habt die Fakten, ihr seht die Kinder. Aber warum werden die Nebenwirkungen nicht gesehen oder sogar abgewehrt? Sind das Abwehrmechanismen? Was müsst ihr abwehren? Geht es um Schuld, die ihr abwehren müsst? Zu den Abwehrmechanismen gehören u.a.:
Verleugnung: Das Nicht-Anerkennen eines unerwünschten Teils der Realität im Außen. Intellektualisierung: „Wir sind die Wissenschaftler, wir wissen es besser.“
Abwertung: von fragenden Eltern und Kinder, Augenrollen im Gespräch oder sich drüber lustig machen.
Eltern fühlten sich sicher, als ihr Kinderärzte die Impfungen empfohlen habt.
Für mich ist es immer noch nicht nachvollziehbar, warum ein Kind gegen Covid geimpft werden sollte – oder bald muss…

Wünsche/Ausblick/Visionen
Ich wünsche mir einen fachlichen Diskurs und Fehleranalysen. Gute Medizin war bisher immer Überprüfen von mehreren Hypothesen und Differenzialdiagnosen, Hinweise und Wünsche von Eltern und Patienten ernst nehmen. Ich wünsche mir einen kritischen Blick auf die Pharmaindustrie und auf die wirtschaftlichen Interessen der jeweiligen Krankenhauskonzerne. Und ich weiß, dass es viele Ärzte gibt, die diesen kritischen Blick haben. Ich wünsche mir, dass Kritik geäußert wird und das zustimmende Schweigen ein Ende hat.

Ich habe das nun nicht mehr ausgehalten und zum 30. April meinen Job in der Klinik gekündigt!